24h Rennen am Nürburgring – was ist bloß aus dir geworden?

Die letzten Jahre bin ich immer mit Begeisterung zum 24 Rennen gefahren und wurde auch nicht ein mal enttäuscht. Selbst wenn es wiedermal am Ring regnete, sorgte die allgemeine Stimmung dafür, dass es immer Spaß machte dort zu fotografieren.

In diesem Jahr war allerdings alles anders.

Zugegeben, das Wetter war wirklich schlecht, aber das war nicht der Grund. Schon vom ersten Tag an war die Stimmung unter den Besuchern einfach nicht vorhanden, dazu genügte schon ein Blick in die Gesichter.

Bisher fühlte ich mich am Ring, insbesondere in meinem „Jagdrevier“, also der GP-Strecke und den Haupt-Tribünen absolut sicher. Obwohl auch dort immer viel Alkohol im Spiel war, hersschte immer eine lockere und fröhliche Stimmung. In diesem Jahr jedoch wurde ich selbst von zwei Gruppen stark alkoholiserter Jugendlicher „belästigt“ und mir wurde berichtet, dass es im Bereich der großen Halle sogar brutale Schlägereien gegeben hat die von der Polizei getrennt werden mussten. Die sehr starke Frequenz, in der ich Polizeifahrzeuge in Richtung Nordschleife fahren sah, lässt nur erahnen, wie es dort zugegangen sein muss, ist dort doch bekanntlich der Alkoholpegel noch weitaus höher. Leider liegen mir bisher keine offiziellen Zahlen der Polizei vor, lediglich der folgende Ausschnitt aus der Pressemeldung:

„Während den Veranstaltungstagen ereigneten sich rund um den Nürburgring insgesamt 23 Verkehrsunfälle, bei denen vier Personen leicht verletzt wurden.
Neben den Verkehrsunfällen mussten sich die Polizei um einige Sachbeschädigungen, Dieb-stähle und Körperverletzungen kümmern.“
(bitte hier klicken, um die gesamte Pressemeldung der Polizei zu lesen)

Zwei ganz besonders schlechte Erlebnisse hatte ich im sogenannten Servicepoint im Besucherzentrum. Ich benötigte zweimal eine Auskunft und wurde beide male von oben herab und mit betonter Unfreundlichkeit mehr abgewimmelt als freundlich empfangen. Ich habe deshalb schon eine offizielle Beschwerde eingereicht, mal sehen, was da kommt…

Aber auch die abermals erhöhten Eintrittspreise haben sicherlich ihren Teil zu der schlechten Stimmung beigetragen, denn 66€ für ein 4 Tages-Ticket ist schon nicht ganz ohne, insbesondere wenn man bedenkt, dass es beispielsweise 2011 noch nur 59€kostete, bei einer vierköpfigen Familie sind das immerhin 28€!

Eine weitere Änderung in diesem Jahr war der sehr späte Start des Hauptrennens. Den Grund dafür konnte ich nicht finden, ebensowenig wie jeder andere Besucher den ich darauf ansprach. Das „Rahmenprogramm“ das die Wartezeit überbrücken sollte war aus meiner Sicht nicht mehr als ein schlechter Witz. Daher herschte wohl auch unter den Besuchern die verbreitete Meinung, man habe das Rennen nur so spät starten lassen damit die Besucher länger vor Ort sind und damit öfters die Angebote der örtlichen Gastronomie und Geschäfte in Anspruch nehmen. Offiziell hatte man damit eine Begründung für die erneute Preiserhöhung bei den Eintrittskarten, da damit mehr Programm geboten werden konnte.

Mein persönlicher Tiefpunkt des Rennwochenendes war die Startaufstellung zum Hauptrennen. In den vergangenen Jahren habe ich dort immer relativ viel Zeit verbracht, denn an nahezu jedem Fahrzeug gab es etwas besonderes zu sehen und wenn es nur die Fahrer waren, die überaus stolz waren, überhaupt dort sein zu dürfen.

In diesem Jahr machte die überwiegende Mehrheit der Fahrer den Eindruck, eine lästige Pflicht erfüllen zu müssen und es gab nahezu nichts an „besonderen Dingen“ zu sehen, wie z. B. der Regentanz bei der Premiere des neuen Golf GTI vor ein paar Jahren. Das einzige was man fast auf jeder Windschutzscheibe sah, war ein Schild mit der Aufschrift „Legenden verkauft man nicht!“, eine Anspielung auf den geplanten Verkauf des gesamten Nürburgring-Areals an private Investoren. Eine weit verbreitete Befürchtung unter den Besuchern war es auch, dass dies möglicherweise das letzte Rennen dieser Art war, denn wer weiß schon was passiert, wenn die grüne Hölle in die falschen Hände fällt…

Wäre das Wetter besser gewesen, wären vielleicht auch am Freitag und Samstag schon mehr Besucher vor Ort gewesen, aber vielleicht lag es auch einfach an der absolut unsinnigen Terminwahl und der „politischen“ Situation des Rings, dass sich die Tribünen erst zum Hauptrennen füllten und davor so leer waren, wie ich es bisher an keinem 24h Rennwochenende erlebt habe.

Aus all dem ziehe ich für mich die Konsequenz, dass ich im nächsten Jahr dieses Event wohl nicht mehr besuchen werde. Es hat einfach all das verloren, was es für mich zu etwas besonderem gemacht hat. Und ich befürchte, dass ich damit nicht alleine bin…

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