Sylt – mein Fazit

Nach vier Tagen (zzgl. An- und Abreise) auf der Insel kann man natürlich kein vollständiges Bild erhalten, aber die Eindrücke die ich bekommen habe genügen mir für ein eindeutiges Urteil, zumindest für mich…

Und das lautet ganz klar „Sylt sehen und NICHT wiederkommen“ 🙁

Für meinen Geschmack ist die Insel einfach nur abschreckend und ein weiteres Beispiel für das unmögliche Verhalten von Menschen, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen.

Aber schauen wir es uns im Detail an und zuerst die guten Punkte:

  • Die naturbelassenen Flecken der Insel bieten teils grandiose Ausblicke und schöne Natur. Die gezielt angebrachten und sogar kostenlos begehbaren Aussichtsplattformen sind ebenfalls einen Besuch wert.
  • Selten in Deutschland habe ich bisher so viele Naturschutzgebiete angetroffen die offenbar auch gut betreut werden, angesichts der immensen Gebühren die den Touristen abverlangt werden kann man das jedoch auch erwarten
  • Über fast die gesamte Insel zieht sich ein Netz von meist gut ausgebauten Fahrradwegen. Dies ermöglicht auf Grund der relativ ebenen Flächen der Insel jedem „normal“ trainierten mit einem Fahrrad alle wichtigen Punkte der Insel zu erreichen.

Und nun die leider überwiegenden Negativpunkte:

  • Wüßte ich es nicht besser, so würde ich glauben, ich wäre in einem Vergnügungspark gewesen. In allen Ortschaften die touristisch interessant sind, findet man fast nichts anderes als Restaurants, kleine Edelshops und Boutiquen sowie mit viel Glück hochpreisige Imbisse. Vom normalen Leben der Insulaner bekommt man dort nichts mit, es ist fast so, als sei die Insel nur für den Tourismus und die Gäste errichtet worden. Das erinnerte mich teils sehr stark an die Truman-Show… Gute Beispiele dafür sind Westerland, List und Kampen.
  • Sehr gut passte dazu auch die Freundlichkeit der Menschen. In allen Dienstleistungsberufen waren die Angestellten überschwenglich, meist schon fast künstlich übertrieben freundlich. Dagegen waren fast alle anderen die ich traf, ob nun offensichtlich Touri oder Einwohner, sehr unfreundlich und brachten meist nicht einmal ein „Moin“ raus, von den herablassenden Blicken ganz zu schweigen. Offenbar ist man auf der Insel entweder ein Diener oder ein Herrscher…
  • Die Wege der Inselregierung um aus dem Tourismus Geld zu schlagen nimmt Ausmaße an, die mir absolut absurd vorkommen, die aber die „Reichen und Schönen“ freuen dürfte, da es wohl viele davon abhält, überhaupt nach Sylt zu kommen. Beispielsweise wird für jeden Tag eine Kurtaxe in höhe von 3,20€, bei Eintagesgästen sogar von 3,50€ erhoben. Dafür erhält man eine Gästekarte und nur mit dieser erhalten Nicht-Insulaner freien Zugang zu den Stränden. Dafür wurde an JEDEM Zugang zum Strand ein Kassenhäuschen errichtet und wer keine Karte hat muß zahlen. Dabei stellte sich mir ernsthaft die Frage, ob nicht schon die Personalkosten die Kurtaxe locker mehr als verschlingen. Damit aber nicht genug, denn wenn man den Tag am Strand in einem der klassischen Strandkörbe verbringen will, dann fallen dafür natürlich weitere Mietkosten an. Und als die Krönung der puren Geldmache empfand ich die Mautgebühr die für PKW erhoben wird, die den „Ellbogen“ befahren wollen.
  • Aber das extremste Negativbeispiel stellt wohl die Ortschaft Kampen dar. Obwohl der Ruf des Ortes schon seine Schatten weit über Deutschland hinaus wirft, wollte ich mir selbst ein Bild machen. Und nun kann ich alle mir bekannten schlechten Gerüchte darüber bestätigen. Als Hot-Spot der Szene der „Schönen und Reichen“ auf der Insel finden sich dort nicht nur die teuersten Boutiquen der ganzen Insel sondern man hat sogar darauf verzichtet, den Radweg direkt durch den Ort zu führen, anders als in ALLEN anderen Orten die ich auf der Insel besucht habe! Erklären kann ich mir das nur damit, daß damit zum einen mehr Platz für die „fetten Bonzenkarren“ geschaffen wird und zum anderen verhindert wird, daß das „normale“ Volk deren Wege kreuzt. Und von dem Versuch, die Hauptstraße durch Kampen direkt mit dem Fahrrad zu befahren, kann ich nur abraten. Die Fahrweise der Anwohner ist passend zu den üblichen Vorurteilen zu den überwiegenden Automarken entsprechend rücksichtslos und angeberisch. Erst mit Hilfe einer ortskundigen „Bikerin“ fand ich dann den versteckt verlaufenden Radweg.
  • Die Möwen haben durch die diverse menschliche Einflüsse ihre natürlichen Brutgebiete am Wasser verloren und brüten daher auf den Dächern der Häuser in Strandnähe. Dies hat zur Folge, daß man zu manchen Zeiten sein eigenes Wort kaum verstehen kann vor lauter Möwengeschrei. Hätte mein Hotelzimmer nicht doppelt verglaste Fenster gehabt, wäre an Schlafen nicht zu denken gewesen, denn das Geschrei verstummt erst sehr spät in der Nacht und beginnt bereits mit dem Morgengrauen.

Wie ihr seht, seid ihr aus meiner Sicht auf Sylt nur gut aufgehoben wenn ihr zu den „Schönen und Reichen“ gehört oder ihr einfach nur denen beim Protzen zuschauen wollt. Man kann dort zwar auch gut Radfahren, das setzt aber stabiles trockenes Wetter voraus, denn sonst steckt ihr irgendwo auf freier Strecke wenn es anfängt zu schütten… Die vielen Reetdach-Häuser sind ebenfalls ein schönes Fotomotiv, rechtfertigen aber ebensowenig alleine einen Besuch der Insel. Und die stellenweise wirklich schöne Natur kommt in keiner Weise mit der von  Rügen mit und sollte somit keinesfalls als Grund für eine Inseltour genommen werden, diesen Fehler habe ich selbst gemacht… 🙁

Schade, denn die Insel selbst ist schön und hätte Potential, wurde aber wie vieles andere von den „Herrschern“ der modernen Welt verschandelt…

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