Warum ich nicht mehr “offline” shoppe…

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In der Vorweihnachtszeit zog es mich bisher mindestens einmal pro Jahr in eine Stadt um die besondere Atmosphäre aufzusaugen und durch die Läden zu streifen.

In den letzten Jahren war dies meist Köln. Wegen den diversen Ereignissen besonders in Köln stand dies nicht mehr zur Diskussion. Also besann ich mich auf die Vergangenheit und dachte mir, warum nicht nochmal nach Siegen? Als dort damals die “CityGalerie” eröffnet wurde verlor die Oberstadt zunehmend an Bedeutung und immer mehr Geschäfte schlossen. In der Folge verlor die Stadt für mich den Reiz und ich zog Köln vor.

Nach über 15 Jahren fuhr ich also zum ersten Mal wiedermal nach Siegen.
Auf dem Weg vom Bahnhof in die Oberstadt zeigte sich dann sehr schnell, daß sich der damalige traurige Trend leider fortgesetzt hat und fast keines meiner von damals gut bekannten Geschäfte mehr vorhanden war 🙁

Selbst die damals so lieb gewonnene Filiale von Karstadt  ist durch eine aktuelle “Modernisierung” nur noch ein Abklatsch von dem, was sie mal war 🙁

Also setzte ich meinen Weg fort zur CityGalerie.
Und die Enttäuschungen sollten nicht aufhören…

Von damals war mir noch die phantastische Weihnachtsdekoaration der Galerie in Erinnerung. Und was sah ich? Eine um einiges vereinfachte Deko, die nicht einmal eingeschaltet war 🙁

Aber damit nicht genug…
Für die Toilette benötigt man dort eine 50Cent Münze.
Diese fehlte mir jedoch und so wollte ich mir in einem der Geschäfte Kleingeld besorgen. Leider war das Wechseln der Verkäuferin nicht erlaubt und sie verwies mich einen Infopoint der Galerie. Da dort auch Universalgutscheine verkauft werden, ist dort Wechselgeld vorhanden. Allerdings sah man sich dort nicht zuständig und verwies mich darauf, daß ich an den Toiletten die Klingel betätigen solle und dort auf Hilfe vom Personal zu warten hätte. Das nennt man doch mal SERVICE 🙁  Dazu kam noch, daß die “Servicemitarbeiterin” mein Unverständnis darüber offenbar absolut nicht nachvollziehen konnte!

Aber keine Sorge, das Beste kommt erst noch…
In einem Shop der Galerie meinte die Besitzerin, ich würde doch sicher keine Tüte benötigen. Als ich das verneinte, meinte sie, sie sei gesetzlich verpflichtet 20Cent für die Tüte zu verlangen. Dann konnte ich darauf verzichten und verwies darauf, daß andere Ladeninhaber das anders regeln und es schaffen, den Kunden dennoch kostenlos Tüten anzubieten. Das stieß auf Unverständnis und sie meinte, dann müsse man die Kosten auf die Produkte umlegen, das wolle ich doch sicher auch nicht. Ich verließ den Laden mit dem Verweis darauf, daß ich künftig wieder online einkaufen werde. Dort benötigt man keine Tüten und erst recht nicht solche arroganten Ladeninhaber die offenbar völlig vergessen haben, was das Wort SERVICE bedeutet. Hochgerechnet bedeuten die Tüten einen max. Aufwand von max 50€ im Monat. Wenn ein Geschäft es nicht verkraftet, das zu tragen, ohne die Preise zu erhöhen, sollte es meiner Meinung nach darüber nachdenken, wie lange es wohl noch existieren mag.

Wie man merkt, war ich sehr lange nicht mehr offline shoppen. Bisher konnte ich den Unmut der Ladeninhaber über den boomenden Onlinehandel sogar teilweise nachvollziehen. Sieht man aber die Entwicklung in den Geschäften, so ist aber auch ganz offensichtlich, daß sie selbst einen großen Beitrag an ihrem Untergang beitragen. Würde man in einem Elektrogeschäft eine echte Beratung bekommen und nicht als Kunde das Personal schulen (ist mir schon passiert), würden die Ladenbesitzer mit (kostenlosen) Zusatzleistungen punkten und wäre einfach wieder die von früher bekannte “Fröhlichkeit” da, dann würde auch ich gerne wieder mehr offline shoppen und teilweise auch gerne etwas mehr bezahlen. Leider ist es aber meist so, daß man offline mehr bezahlt und vom Personal den Eindruck vermittelt bekommt, man würde sie mit der Anwesenheit in ihrer Ruhe stören 🙁

Und so werden Amazon und Co. völlig zu recht weiter mächtig wachsen und die Innenstädte werden immer mehr aussterben, nicht zuletzt aber auch wegen der Entwicklung der Sicherheitslage. So werden zukünftige Generationen wohl bald gar nicht mehr wissen, wie es ist, mit großen Augen durch die herrlich weihnachtlich beleuchteten Fußgängerzonen und Geschäfte zu schlendern und einfach nur die Atmosphäre zu genießen 🙁

Eine sehr traurige Entwicklung…

 

Und noch ein kleine Ergänzung,
fast hätte die Tour nach Siegen ein äußerst böses Ende genommen…

Auf dem Weg von der Oberstadt ins Tal lag ein offenbar prall gefüllter, jedoch sehr abgenutzter Rucksack auf dem Bürgersteig. Es war deutlich zu sehen, daß die Tasche von jedem der vorbeiging sehr kritisch beäugt wurde und viele wechselten sogar die Straßenseite und gingen deutlich schneller als vorher weiter. Selbstverständlich handelte ich genauso, man muß heute schließlich mit allem rechnen 🙁

Da es an diesem Tag kein Bombenalarm gab, war es aber offenbar nur eine vergessene Tasche.

Früher hätte man beim Vorbeigehen Mitleid mit dem gehabt, der die Tasche beim Beladen seines Autos vergessen hatte. Heute denkt man nur daran, daß man hoffentlich weit genug weg ist, wenn das Ding explodiert. Was für eine hässliche Wendung das Leben in Deutschland genommen hat 🙁

2 Comments Add Yours

  1. Katie

    Das onlineshopping hat eben dazu beigetragen, dass die Geschäfte (vor allem kleine Läden) nicht überlebt haben und große Ketten ihre Prioritäten auch verlagern. Die Geschäfte sind das ganze Jahr da, also einmal im Jahr “offline shoppen” und dann ein derartiges Resümee ziehen find ich ein wenig fehl am Platz. Klar ist es nicht optimal gelöst mit dem WC, aber das mit der Tüte… im Sinne der Unwelt und der Kosten: eine Stofftasche kann man doch immer mitnehmen 🙂 Ich hoffe, du gibst dem offline-Handel noch eine richtige Chance 🙂 Es ist immerhin ein viel tolleres Erlebnis als onlineshopping ❤️

    Reply
    • Frank Leienbach

      Hallo Katie,
      leider ziehe ich das Resume nicht nach einmal im Jahr offline shoppen. Das war diesmal nur der finale Auslöser für einen Wutblog 🙁 Wenn die offline-Händler wirklich noch an den Kunden interessiert wären, dann würden sie sich anders verhalten! Und dann wäre da noch das Problem mit den Übergriffen und Anschlägen. Weitere Gründe fürs online-Shopping… Lese doch auch mal meine Gedanken zur Tourenplanung für 2019:
      https://www.fleiphoto.de/2018/11/04/meine-reiseziele-2019/

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